Kochen und helfen

Ein Buchprojekt von Schülerinnen, Studierenden und Geflüchteten

 

Schülerinnen und Studierende erarbeiten zusammen mit Geflüchteten ein Kochbuch, das nicht nur Rezepte, Länderberichte und Informationen zur Flüchtlingssituation in Deutschland enthält, sondern vielmehr auch interkulturellen Austausch und Integration fördert.

Im Rahmen des Begegnungsprojekts entstand weit mehr als ein normales Kochbuch. „Around the World in 30 Recipes – In 30 Rezepten um die Welt“ ist das Ergebnis eines intensiven Austauschs und bietet neben Rezepten aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge auch Einblicke in deren Länder. Da interkulturelle Begegnung immer von zwei Seiten ausgeht, werden überdies Rezepte der Schülerinnen und Studierenden aus Bayern aufgenommen. Das Projekt sollte auch dazu beitragen, Sprachbarrieren zu überwinden. Während das gemeinsame Kochen den positiven und geschützten Rahmen für sprachliche und kulturelle Annäherung bot, bietet das bilingual aufgebaute Buch auch weiterführende Möglichkeiten sprachlichen und kulturellen Lernens. Alle Texte wurden auf Deutsch und Englisch verfasst.

Die Lehramtsstudierenden der LMU München haben dieses Projekt im Wintersemester 2014/15 im Rahmen des Seminars Intercultural Service Learning initiiert, einem modernen pädagogischen Ansatz, der formales Lernen mit gemeinnützigem Engagement verbindet. Es handelt sich dabei um ein Modellprojekt, das zeigt, wie sprachliches und interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht mit gesellschaftlichem Engagement verbunden werden kann.

 

Bericht über das Begegnungsprojekt zwischen Schülerinnen des OvTG, Studierenden der LMU und Flüchtlingen in Gauting

 

Von Larissa Ballmann (10 d)

 

„Du kannst gegen Krieg sein. Du kannst gegen Gewalt sein. Du kannst gegen Terror sein. Aber du kannst nicht gegen die sein, die davor fliehen.“ (Proasyl)

 

Deshalb heißen wir die Flüchtlinge in Gauting herzlich willkommen und versuchen, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren.

 

Am OvTG gibt es seit vielen Jahren das Weitblick-Team und schon die letzten zwei Jahre haben wir uns mit dem Thema „Flüchtlinge“ auseinandergesetzt. Wir haben mit den Flüchtlingen zusammen viele Aktionen durchgeführt, vor allem mit den Flüchtlingskindern. Vom Drachen basteln über Tischtennis spielen, ins Kino gehen oder Nachhilfe geben – das Wichtigste dabei war immer der persönliche Kontakt.

 

 

Letztes Jahr hat das Weitblick-Team (damals unter der Leitung von Frau Giebeler, nun weitergeführt durch Herrn Weikmann) zusammen mit Frau Rauschert (Gründerin von Weitblick und ehemalige Lehrerin an der Schule, nun Dozentin an der LMU) und ihren StudentInnen das Kochbuch-Projekt begonnen. Dazu haben wir uns mit den Flüchtlingen, die Lust hatten mitzumachen, getroffen. Jeder durfte Rezeptideen einbringen, dann wurde das dafür benötigte eingekauft und gekocht. Und natürlich danach zusammen gegessen. So entstanden nach einiger Zeit 30 Rezepte rund um die Welt. Während des Kochens konnte man sich mit den Flüchtlingen auch über ganz alltägliche Dinge unterhalten oder mehr über sie erfahren. Und auch wenn manche nicht so gut Deutsch konnten, schaffte man es immer, sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Auf jeden Fall ist jedes Mal während des Kochens eine schöne Atmosphäre entstanden und wir alle hatten Spaß.

 

Zudem haben wir Informationen über die jeweiligen Länder gesammelt, aus denen die Flüchtlinge kommen, um die Leser auch über die Situation in deren Ländern zu informieren und warum die Flüchtlinge denn überhaupt bei uns in Deutschland sind. Denn bei Ländern wie Syrien wird es uns allen klar sein, aber wissen alle, was in Ländern wie Sierra Leone oder Senegal geschieht?

 

Außerdem haben die Studenten der LMU, die selbst aus verschiedenen Ländern kamen, noch eigene Rezepte, wie zum Beispiel aus der Slowakei oder der Ukraine eingebracht, wodurch noch mehr Rezepte aus differierenden Ländern entstanden.

 

Das Projekt hat sich zweifellos gelohnt, da alle Freude daran hatten und man durchaus merkte, wie einige Flüchtlinge mit der Zeit mehr aus sich herausgingen und aufgeschlossener wurden. Und natürlich schon allein wegen des persönlichen Kontakts kann man von einem gelungenen Projekt sprechen. Der Verkauf der Kochbücher ist sehr gut gelaufen und wir haben damit viel Geld eingenommen, das natürlich alles den Flüchtlingen zu Gute kommt.

 

 

Besonders erfreulich für Weitblick ist es, mit dem Projekt einen der vierten Preise beim „Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik“ gewonnen zu haben.
Letzten Endes hoffen wir, dass unser Kochbuch mit internationalen Rezepten, Länderberichten und einem allgemeinen Teil zur Flüchtlingssituation in Deutschland dazu inspiriert, auch einmal Rezepte aus anderen Ländern auszuprobieren, und man einen besseren Einblick in die Herkunftsländer der Flüchtlinge bekommt.

 

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